Massschuh_Workshop_DIY_Selbstgemacht_Fuerstenfeld | © Thomas Bednar

Altes Handwerk neu erlebt

Einladungen, selbst Hand anzulegen: auf Workshops beim Burgschmied auf der Riegersburg, bei der Blumenbinderin am "Hügel" und beim Schuhmacher in Fürstenfeld.


Schöne Messer, scharfe Sachen

Urig, archaisch, eindrucksvoll: Das ist es, wenn der neue Burgschmied - seine Schmiede liegt direkt auf der Riegersburg - seinen Hammer schwingt und das Eisen zum Glühen bringt. Schon mit 12 Jahren hat es Chris Feichtl und seinen Bruder fasziniert, Baustahl im Lagerfeuer heiß zu machen und zu etwas Klingenähnlichem zu formen. Heute gilt die Leidenschaft mehr denn je den Messer-Unikaten - und ihrer handwerklichen Herstellung. "Nach dem ersten gelungenen Damast hat mich das Feuer nie mehr losgelassen", erzählt Feichtl.

Bedrohtes Handwerk - Die letzten Meister ihrer Zunft

Die Rückbesinnung auf alte Traditionen und Fertigkeiten verleiht vielen fast vergessenen Handwerksberufen heute enorme Faszination. Im Thermen- und Vulkanland Steiermark ist den Einheimischen die Erhaltung von Handwerksberufen, die zu verschwinden drohen, ein wichtiges Anliegen. Doch wer kennt heute noch eine Korbflechterin, einen Fassbinder oder einen Wagner beziehungsweise deren Berufsbilder?

Fassbinder

Obwohl Holzfässer noch immer in großer Anzahl als Lagerbehälter für Most, Schnaps, Essig, Wein oder Getreide in Verwendung stehen, scheint der Beruf des Fassbinders (Holzfassbauers) dem Ende zuzugehen. Die nichtmaschinelle Fertigung eines Holzfasses ist aufwendig und erfordert viel handwerkliches Geschick. Leider gibt es kaum noch jemanden, der diesen Beruf erlernen will. Das Wahrzeichens des Fassbinders ist bis heute der Daubenstoß, in dem die Längshölzer des Fasses – die Dauben - zum Trocknen aufeinandergestapelt werden. Nach dem Hobeln werden die Bretter sortiert und nummeriert, danach in der richtigen Reihenfolge aneinandergereiht und mit einem Eisenring umschlossen. Dann wird das Fass innen so lange befeuert, bis die Dauben biegsam geworden sind und mit dem Fasszug zusammengezogen werden können. Nach und nach schmiegen sich die Hölzer so eng aneinander, dass das Fass dicht ist und der Boden darauf passt. Bei der Fassbinderei werden nicht nur neue Fässer hergestellt, sondern auch alte und schadhafte repariert.

Sattler

Die Branche der Sattler und Riemer kämpft ebenfalls mit Nachwuchsmangel. Einst waren die Sattler und Riemer wichtige Rüstungshandwerker, Hersteller von Sätteln, Pferde- und Ochsenkummeten (Kummet = gepolsterte Ringe), von Zugzeug für Rinder und Pferde sowie die Endfertiger von Kaleschen, Kutschen, Feuerwehrwagen und Steirerwagerln, an denen die Tapeziererarbeiten, aber auch die Lackierungen durchgeführt wurden. Und auch heute noch benötigt man für das Beziehen von Oldtimersitzen, für Verdecke für Cabrios und Boote, für handgefertigte Pferdesättel und Zaumzeuge oder individuelle Reisekoffer einen Sattlermeister. Es wird nicht nur Leder, sondern auch Holz und Kunststoff verarbeitet. Sattler brauchen neben Kreativität und Interesse an Materialien auch Geschick und Kraft. Leider ist dieser interessante Beruf wenig bekannt, und so bewerben sich nur wenige junge Leute für eine Ausbildung.

Wagner und Wagenrad

Die Mechaniker des Mittelalters, die Wagner, Huf- und Wagenschmiede, gehörten vor der Erfindung der Eisenbahn zu den wichtigsten Handwerkern ihrer Zeit. Viel Kraft in den Händen erfordert die Arbeit des Wagners, der den Wagenbau, Schlittenbau und Kutschenbau zu beherrschen hat. Der Wagner fertigt auch Sensenwürfe, Hacken- und Hauenstiele, Schubkarren, Jöcheln, Holzrechen, Pflüge (Bifingpflüge), Eggen, kleine Ziehwagerln, Sportgeräte wie Schi und Rodeln (Schlitten) sowie Haarbrecheln, Granhaspeln und Spinnräder an. Ein Teil der ehemals hergestellten Produkte wird heute von Industriebetrieben in automatisierten Fertigungsvorgängen erzeugt wird. Die verbliebenen Aufgaben sind durch eine handwerkliche Herstellungsweise geprägt.

Schuster

Ein Ort ohne Schusterwerkstätte war vor einigen Jahrzehnten unvorstellbar. Heutzutage ist auch das Schusterhandwerk vom Aussterben bedroht. Kostengünstig produzierte Schuhe überschwemmen den heimischen Markt – das Handwerk des Schusters wird nur mehr selten erlernt, da Kunden kaum noch Schuhe anfertigen oder reparieren lassen. In diesen wenigen erhalten gebliebenen Werkstätten findet man altes und neues Handwerksgerät, ohne dass sich dieses wesentlich voneinander unterscheidet, griffbereit nebeneinander liegen. Nur wenige elektrisch angetriebene Maschinen, die meist aus aufgelassenen Betrieben zusammengekauft werden, weisen in den meist museumsreifen Werkstätten auf die Zeit der Technisierung hin.

Flechten

Körbe aus verschiedenen Materialien, geflochten oder genäht, waren und sind aus dem bäuerlichen Alltag nicht wegzudenken. Sie finden zum Tragen, Aufbewahren oder Formen Verwendung. In den letzten Jahren ging der Bedarf an Korbwaren jedoch stark zurück. Grund dafür sind neue Bewirtschaftungsformen, technische Hilfsmittel und gesundheitliche Aspekte, da das Heben und Tragen von gefüllten Körben Rückenschäden nach sich zieht. Damit verbunden ist, dass das Wissen um die Kunst des Korbflechtens verloren geht und die Korbflechter selbst immer weniger werden. Allerdings wurden nicht nur Körbe gefertigt, sondern auch Zwischen- und Außenwände geflochten oder Woazlintaschen (Maisblättertaschen), Streubögen (zum Zusammentragen von Grünfutter, Heu und Laub = Streu) und Ochsenziemer zum Treiben der Rinder hergestellt.

Uhrmacher

Die Großuhrmacher waren bis in das 18. Jahrhundert mit den Schlossern in einer Zunft zusammen. Eiserne Konsol- und Turmuhren mit einer Waagehemmung hatte man bereits im 14. und 15. Jahrhundert in Betrieb. 1570 wird ein landschaftlicher Uhrenmacher erwähnt.

Verlorenes Handwerk

Viele unserer Vorfahren haben ihr ganzes Leben lang Tätigkeiten ausgeübt, von denen wir heute nichts mehr wissen. Die rasante Veränderung der Arbeitswelt hat eine Vielzahl von ausgestorbenen Berufen hinterlassen. Nachfolgend ein paar Beispiele.

Repassieren

Nachdem 1942 amerikanische Soldaten den Nylonstrumpf nach England brachten, wurde der Strumpf nach 1945 auch in Österreich zur begehrten Beinbekleidung der Frauen. Es war ein kostbares Bekleidungsstück, dass das sechsfache des einfachen Hausstrumpfes aus Kunstseide kostete. Um 1958 kam die Strumpfhose in Gebrauch, die eine Bekleidungsrevolution auslöste, denn die Frauen brauchten von nun an keinen Strumpfgürtel bzw. Strumpfhalter mehr. Der Nylonstrumpf brachte es mit sich, dass schon oft nach der kleinsten Berührung des Strumpfes eine Laufmasche entstand. Zur Reparatur wurde der Strumpf dann in eine spezielle Repassier-Werkstätte gebracht, wo die fehlenden Maschen wieder ersetzt und händisch vernäht wurden. Auf diese Art und Weise wurden auch feine Stricksachen repariert.

Köhlen

Die Köhlerei ist eine der ältesten Handwerkstechniken der Welt. Heutzutage sind die sogenannten Köhler nur mehr äußerst selten beim Brennen von Holzkohle anzutreffen. Unter den Köhlern waren zwei Verfahren zur Holzkohlen-herstellung üblich, nämlich entweder in einem Köhlemeiler oder in einem Kohlewerk. Die Kunst des Köhlens bestand darin, den Meiler immer auf der richtigen Temperatur zu halten. Beim Verbrennen des Holzes darf es zu keinen Einbrüchen kommen, damit es durch eingedrungenen Sauerstoff nicht zu einem Brand kommt. Erkennt der Köhler, dass Holz zur Holzkohle umgewandelt ist, wird die fertige Kohle mit einem Rechen herausgezogen. Qualitätsvolle Kohle ist federleicht und ohne Wassergehalt und sollte somit beim Grillen nicht rauchen. In den Jahrzehnten um 1920 hatten die Köhler alle Hände voll zu tun, um die Nachfrage an Holzkohle abdecken zu können. Die Hauptabnehmer waren die Schmiede, und die kleinen Holzkohlenstücke wurden vor allem von den Schneidern und Hausfrauen zum Beheizen der Kohlenbügeleisen verwendet. Bei der Bügeleisenkohle handelte es sich um ein Abfallprodukt. Auch in der Volksmedizin spielte Holzkohle einst eine wichtige Rolle. Bei Durchfall wurden kleine Kohlestücke zu Staub zerrieben und löffelweise eingenommen, genauso wie man heute Kohletabletten zu kaufen bekommt.

Blaufärben

Die Blaufärberei von Stoffen mit dem Farbstoff Indigo kennt man schon seit vielen Jahrhunderten. Am Ende des 17. Jahrhunderts wurden blaue Stoffe erzeugt, die weiß-gemustert waren. Sie wurden unter der Bezeichnung Blaudrucke bekannt. Der Zeugdruck wurde in Graz Ende des 17. Jahrhunderts als freies Gewerbe eingeführt. Das Zentrum der Kunst, Muster mit geschnitzten Modeln aufzudrucken, war die Oststeiermark.

Wie funktioniert der Blaudruck? Bevor der eigentliche Färbvorgang beginnt, wird der Stoff appretiert, das heißt mit Wasser, in dem Kartoffelstärke aufgekocht wurde, gewaschen, danach getrocknet und gebügelt. Nach dem ersten Färbevorgang ist der Stoff noch knallig grün, erst nach dem 4. Färbevorgang wird der Stoff dunkelblau. Soll der Stoff bemustert sein, so wird er vor dem Einfärben mit Stoffdruckmodeln oder Stoffdruckwalzen, die zuvor in einen farbabweisenden „Papp“ getaucht werden, bedruckt. Drei bis vier Wochen muss dieser Musteraufdruck trocknen, bis die Einfärbung erfolgen kann. Nach dem Einfärben des Stoffes und dessen Trocknung, wird der Papp mit heißem Wasser aus dem Stoff herausgewaschen, sodass das weiße Muster, die Naturfarbe des Stoffes, sichtbar wird.

Strohdachdecken

Zum Strohdachdecken eignet sich nur Roggenstroh (=Kornstroh, Troadstroh), das mit der "Troadsens" oder Sichel geerntet wurde. Bevor das getrocknete Getreide deckfertig ist, muss es ausgeschlagen, geputzt und gleichgeschnitten werden. Für eine längere Lagerung werden drei Garben mit speziellen Strohbändern zu einem Schab zusammengebunden.

In der Steiermark findet man vor allem das sogenannte Strohscharendach vor. Beim Strohdachdecken beginnt die Deckarbeit immer von unten von der Dachtraufe her in Richtung First. Die Deckschab wird mit den Ähren nach oben auf die Dachlatten, die in Abständen von 22 bis 26 Zentimeter angebracht sind, aufgelegt und die Strohbänder aufgeschnitten, sodass das Deckstroh dicht ausgebreitet zu liegen kommt. Die Ähren kommen bei dieser Deckarbeit immer unter der nächsten Schab zu liegen. Mit dem Deckbrett wird die aufgelegte Strohschab am unteren Ende gleichmäßig zurechtgeklopft. Das Stroh wird mit einigen Metern langen und entrindeten (geschälten) Haselstangen (Deckruten) niedergespannt, vereinzelt werden auch Eichen- oder Birkenstangen verwendet. An den Dachlatten werden die Deckruten mit dünnen Deckwiedn (Weidenruten) festgebunden, sodass das Stroh fest an den Dachlatten zu liegen kommt. Wesentlich ist bei all diesen Arbeitsvorgängen, dass die Strohhalme nicht gequetscht oder gebrochen werden.

Zur Abdichtung des Firstes wird Lehm verwendet. Der Lehm wird dafür mit Wasser zu einem dicken Brei verrührt und Häcksel (gehacktes Stroh oder Getreideähren) beigemengt. Darin werden Deckschauben eingelegt und mit Lehm vermischt. Diese lehmigen Schauben werden quer über den First gelegt und mit Brettern am Dach festgeschlagen. Zum Handwerkszeug des Strohdachdeckers gehören das Deckbrett und die Deckleiter (Deckknecht).
 

Ziegel(hauen)schlagen

Für den Bau eines Hauses mit gebrannten oder ungebrannten Ziegeln wurden sowohl Mauer- als auch Dachziegel im Handschlagverfahren geschlagen erzeugt. Oft erfolgte dies von professionellen Ziegelschlagern. Der für die Herstellung von Ziegeln notwendige Lehm wurde im Herbst oder im Winter, solange es die Witterung zuließ, meist aus einer Tiefe von bis zu drei Metern aufgegraben und an einem geeigneten Ort aufgeschüttet. Hier blieb der Lehm über den Winter zum Ausfrieren, wodurch er feinkrümelig wurde, liegen. Frost und Wasser sorgten über die Wintermonate dafür, dass der Lehm für das Schlagen der Ziegel geeignet wurde. Im Mai war dann die Zeit gekommen, dass mit dem Ziegelschlagen begonnen werden konnte. An einer geeigneten Grundfläche wurde der Boden eben gemacht, meist Gras und Humus abgetragen und das Terrain auf dem die Ziegel abgelegt wurden, mit Sand überschüttet. Dieses Sandbett musste mit einer Holzkrucke brettleben gleichgezogen werden. Um mit dem Ziegelschlagen beginnen zu können, waren einige Gerätschaften notwendig. Dazu gehörten eine hölzerne Scheibtruhn (Schiebetruhe), die Holzkruckn (ein Holzkasten für Sand), der Schlagtisch (Ziegeltisch) mit massiver Platte, das Ziegelmodel, das Ziegel- oder Bogenmesser, auch Ziegelbogen genannt, Krampfen, Hauen, Schaufeln und Gießkanne. Ein Mann war der Ziegelschlager, ein Anderer der Lehmmacher oder Lehmtreter, der Dritte der Lehmanführer oder Aufschieber und zwei Kinder schließlich die Ziegelwegtrager, die Ziegelwegsetzer. War alles vorbereitet, konnte mit dem Ziegelschlagen begonnen werden. Zum Ziegelbrennen kam es meist im Herbst. Vorerst wurde in der Erde ein 2 Meter tiefer Raum, der Größe der Anzahl der zu brennenden Ziegel entsprechend, ausgehoben. In diesem Aushub wurden nun die getrockneten Ziegel in nebeneinander liegenden Rohren zum Ziegelofen zusammengesetzt. Während der Ziegelofen aufgebaut wurde, war dieser von einem Holzgerüst mit Dach überdeckt. Bevor mit dem Brennen begonnen wurde, musste man diesen Wetterschutz wieder abtragen. Dann begann man alle Rohre mit Holz zu beheizen. Tag und Nacht brannte der Ziegelofen zwischen vier und sieben Tage lang. An den ersten drei Tagen erfolgte das Dampfheizen, bei dem der ganze Ziegelofen wegen des Feuchtigkeitsgehaltes dampfte. An den nächsten Tagen erfolgte das Fertigbrennen.

Schnur/Strick/Seilmacher

Früher wurden Schnüre, Seile und Stricke nicht nur in gewerbsmäßigen Seilerbetrieben, sondern auch in bäuerlichen Hauswerkstätten hergestellt. Als Rohmaterial dienten den Bauern ehemals Hanf- oder Flachsfasern, die heute nur mehr schwer zu erhalten sind.

Zur Herstellung von Hanf- oder Flachsschnüren wird das so genannte "Spinnrad" (Seilerrad) verwendet, das mit dem Spinnrad für die Fadenspinnung nichts gemeinsam hat. Dabei handelt es sich um eine Drehvorrichtung, mit der über eine Handkurbel über hölzerne Zahnräder ein an der Vorderseite angebrachter Rundhaken angedreht wird. Für das Schnurmachen sind zwei Personen notwendig. Während eine Person an der Kurbel dreht und somit über einen Keilriemen den Haken, an dem das Faserbündel befestigt ist, in eine schnell kreisende Bewegung versetzt, geht der Strickmacher mit dem Faserbündel unter dem Arm langsam nach rückwärts. Die einzelnen Hanf- oder Flachsfasern werden somit fest ineinander verdreht, wodurch eine kräftige Schnur entsteht. Der Strickmacher muss dabei viel Geschick zeigen, um eine gleichmäßig starke Schnur drehen zu können. Komplizierter ist die Strickerzeugung, für die zwei oder vier Schnüre zu einem Strick zusammengedreht werden. 
Wird ein starkes Seil benötigt, so können vier Stricke, von denen jeder aus vier Schnüren besteht, zusammengedreht werden. Für diese schweren Seile wird ein großes Getriebe verwendet. Der Strickmacher fertigte Schnüre, Streubogenschnüre (= Bogenschnur), diverse Stricke, Zuhänge-, Halter- und Leitstricke, Bindeseile für das Einführen von Heu, Brunnenseile und Glockenstricke an. Die Hanffaser wurde, wegen der größeren Stärke, der Flachsfaser als Ausgangsmaterial vorgezogen. Vor allem fertigte man Brunnenseile und Aufzugsseile ausschließlich aus Hanf an.