Buschenschank_Jause_Schilcher_Wein_Weststeiermark | © Steiermark Tourismus, Harry Schiffer

Weinbauregion Weststeiermark

Klare Fruchtaromen wie Johannisbeeren oder Erdbeeren, getragen von einer rassigen Säure und umhüllt von einem rosa Mantel, sind das Ziel der Begierde in der Weststeiermark. Was die einen lieben, wird von anderen verpönt. Kein anderer Wein polarisiert so wie der Schilcher. Aber seine Erfolgskurve zeigt ebenso nach oben wie die Qualitätsentwicklung der letzten Jahre.


Rassiges Pink

Nirgendwo sonst in Österreich wird ein Gebiet so stark von einer Rebsorte dominiert wie in der Weststeiermark. Mehr als 450 ha von den insgesamt knapp über 500 ha Rebfläche nimmt Blauer Wildbacher in Anspruch. Trotzdem ist die Weststeiermark nicht rot, sondern pink. Denn aus der roten Rebsorte wird zum Großteil Rosé erzeugt, der berühmte Schilcher. Diese Dominanz war nicht immer so groß. Aber nach dem Weinskandal 1985, der die Qualitätsentwicklung in ganz Österreich beschleunigt hat, wurde hier verstärkt Blauer Wildbacher gepflanzt. Dazu kam ein gutes Marketing, bei dem der Schilcher in den Vordergrund gerückt wurde. Deshalb dürfen sich die Winzer inzwischen auch über Exporterfolge freuen. Zugute kommt dem Schilcher, dass Roséweine international seit Jahren im Trend liegen und die Nachfrage stetig steigt.

 

Traditionsreiche Zeiten

Zum Weinbaugebiet Weststeiermark gehören die Stadt Graz, die Bezirke Deutschlandsberg und Voitsberg sowie die Gemeinden des Bezirkes Graz-Umgebung mit Ausnahme der Gemeinden links der Mur. Das ist zwar ein riesiges Gebiet, aber die Rebfläche liegt nur bei rund 500 ha. Damit ist die Weststeiermark vergleichbar mit Eisenberg im Südburgenland und sogar kleiner als das Weinbaugebiet Wien. Dafür ist die Tradition umso größer. Bereits die Kelten haben hier Wein angebaut. Die Weingärten liegen zwischen 300 und 650 Meter Seehöhe und zählen damit zu den höchsten, nicht nur in der Steiermark. Bestimmend für das Klima sind die Alpen und die kalten Fallwinde von der Koralpe, die in der Nacht für deutliche Abkühlung sorgen. Das fördert die klare Aromatik. Hier fühlt sich die Sorte Blauer Wildbacher wohl. Zu viel Hitze ist nicht das ihre. Sie braucht eine lange Vegetationsperiode für die physiologische Reife, aber hohe Zuckergradationen sind nicht erwünscht. Immerhin ist die sehr lebendige, ja fast rassige Säure wesentliches Merkmal des Schilchers. Trotzdem gab es da früher auch Ausreißer. Inzwischen haben die Winzer vieles verfeinert und eine gut integrierte Säure ist Standard. Trotzdem liegt sie in der Regel zwischen sieben und neun Promille. Hohe Extraktwerte im Wein sorgen jedoch für eine entsprechende Harmonie.


Lebensfreude pur

"Schilcher bedeutet für mich Spaß und Lebensfreude. Außerdem beeindruckt mich die Vielseitigkeit des Blauen Wildbacher. Die Palette reicht vom besten, weil frischesten Traubensaft, über den lebendigen Rosé bis zum prickelnden Schilchersekt, und nicht zu vergessen die gehaltvollen Rotweine", schwärmt die ehemalige Weinkönigin Johanna II. (2016-2017). Kein Wunder, ist sie doch auf einem Schilcherweingut aufgewachsen. Wenn der Blaue Wildbacher die entsprechende Zuckerreife erreicht, dann eignet er sich durchaus für trockene Rotweine. Meist kommen dann kleine bis mittlere Holzfässer zum Einsatz, um ihm etwas die Strenge zu nehmen. Häufiger vertreten sind die Schilcher-Perlen, sie gehören inzwischen zum Standard. Fast jeder Winzer hat einen Schilcher-Frizzante oder gar einen Sekt neben der trockenen Variante im Sortiment. Manche setzen dabei sogar auf Flaschengärung.

Im Weingarten verlangt Blauer Wildbacher den Winzern einiges an Arbeit ab, nicht nur wegen der vielen steilen Hanglagen im nördlichen Teil. Die Sorte ist sehr wüchsig und verlangt viel Laubmanagement, außerdem ist sie anfällig für die Pilzkrankheit Falscher Mehltau (Peronospora) und neigt zum Verrieseln. Weil sie sehr früh austreibt, ist sie besonders empfindlich gegen Winterfröste. Das machte sich auf tragische Weise Ende April 2016 bemerkbar. Die Lese erfolgt zwischen Mitte September und Ende Oktober, wobei der Schwerpunkt in normalen Jahren Anfang Oktober liegt.

 

Gneis- und Kalkböden

Trotz aller Herausforderungen ist die Begeisterung bei den Winzern groß. "Sie brennen regelrecht für diese Sorte und man merkt ihre Leidenschaft", beschreibt Johanna II. die Stimmung in der Region. Weil das Gebiet so groß ist, gibt es selbstverständlich auch Unterschiede. Vor allem bei den Böden. Im Gebiet um St. Stefan ob Stainz und Stainz dominieren Gneisböden, es ist sogar vom Stainzer Gneis und im Nordwesten vom Hirschegger Gneis die Rede. Außerdem liegen hier die Weingärten am höchsten. Auch noch in Wildbach, jenem Ort, von dem die Sorte ihren Namen bekommen hat, und in Deutschlandsberg stehen die Rebstöcke meist auf Urgesteinsböden. Weiter Richtung Süden bis Eibiswald, das sogar etwas weiter südlich als Spielfeld liegt, sind die Böden kalkhaltiger. Der Norden ist auch mit dem Sausal vergleichbar. Diese Unterschiede in den Böden und die nördliche oder südlichere Lage machen sich natürlich in der Aromatik bemerkbar. Die Bandbreite reicht von Walderdbeeren über rote Ribisel bis hin zu Grapefruit und grünen Früchten, vor allem im Süden, wo die Weine auch etwas kräftiger ausfallen. Mitunter liegt zwischen den nördlichsten Weingärten und denen im Süden eine Woche Unterschied, was den richtigen Lesezeitpunkt betrifft. Einige der besten Lagen bzw. Gemeinden der Weststeiermark, von Norden Richtung Süden, sind Langegg, Greisdorf, Hochgrail (St. Stefan ob Stainz), Burgegg (Deutschlandsberg), Aichegg (Schwanberg), Geißeregg und Krass (beide Wies).

Aber egal ob prickelnd, ob als Rosé oder eben tiefrot, der Saft der Blauer-Wildbacher-Rebe passt hervorragend zu den regionalen Gerichten. Es gibt in Österreich wohl auch keinen anderen Wein, der so mit der Region verknüpft ist wie der Schilcher. Übrigens, wer jetzt noch nicht überzeugt ist, dem hilft nur ein Probeschluck. "Der hat noch immer geholfen", lacht Weinkönigin Johanna II. Bei aller Liebe für den Schilcher haben die Winzer auch noch andere Sorten gepflanzt, nicht zuletzt Sauvignon Blanc. Abwechslung ist ja gefragt. Aber Johannas Herz schlägt für den Schilcher.