Weingarten_Terrassenanlage_Kitzeck_Sausal_Suedsteiermark_Sonnenaufgang | © Steiermark Tourismus, Harry Schiffer

Das Sausal

Der Begriff Sausal hat als Herkunftsgebiet eine lange Tradition, eigentlich die längste in der Steiermark. Zwar gehört das Sausal zur Südsteiermark, aber die Schieferböden sorgen hier für völlig andere Verhältnisse und andere Weinstilistiken. Das Sausal hat zudem die höchstgelegenen Weingärten der Steiermark.


Kargheit des Bodens lässt Weine strahlen

Ab Anfang des 12. Jahrhunderts gehörte das Sausal zum Erzbistum Salzburg. Verwaltet wurde das Gebiet vom Schloss Seggau aus. Und bereits damals wurde Weinbau betrieben. Schon 1322 werden zahlreiche Riedenbezeichnungen dokumentiert. Noch detailliertere Angaben über die Größe der Weingärten und einzelner Lagen brachte 1406 das seckauische Weinzehentregister. Mehrere Bezeichnungen, darunter so bekannte wie Brudersegg und Edelschuh, sind in Dokumenten aus dieser Zeit nachzulesen.

Mit der Einführung des neuen österreichischen Weingesetzes Ende des vergangenen Jahrhunderts war meist nur vom übergeordneten Gebiet Südsteiermark die Rede und der Name Sausal blieb unerwähnt. In den letzten Jahren hat sich das wieder geändert. In Zeiten in denen die Unterschiede und Besonderheiten der einzelnen Herkunftsgebiete immer stärker in den Vordergrund gerückt werden, wird auch der Name Sausal wieder betont. Heute handelt es sich um eine eingetragene Großlage.

 

Schiefer und Kalk

Es ist bekannt, dass Terroir das Zusammenspiel von Boden, Kleinklima und Handschrift des Winzers ist. Dass dabei der Lage und dem Boden eine große Bedeutung zukommt, ist unbestritten. Wenn es sich dabei um Schiefer handelt, dann darf man sicher sein, dass die Auswirkungen auf den Wein stärker spürbar sind als bei einigen anderen Böden, Kalk einmal ausgenommen. Und das Sausal verfügt über beide Typen. Zu rund 85 % stehen die Rebstöcke in diesem Gebiet auf Schieferböden, der Rest wächst meist auf Kalkböden rund um den Flamberg.

Klimatisch liegt das Sausal im Spannungsfeld der kühlen Einflüsse aus den Alpen im Norden und der warmen Strömungen aus dem Süden. Die Niederschläge liegen im Schnitt zwischen 900 und 1.000 mm im Jahr. Das ist um 200 bis 300 mm mehr als im Raum Klöch, dem wärmsten Teil des Vulkanlandes Steiermark. Doch mit den Niederschlägen kommen die Schieferböden gut zurecht, denn sie leiten das Wasser rasch ab. Es gibt keine Staunässe wie etwa bei lehmigen Böden. Dafür sind die Probleme in ausgedehnten Trockenphasen größer. Deshalb entstehen hier in etwas niederschlagsreicheren Jahren sehr gute und mineralische Weine.

Bei Schieferboden denkt der Weinfreund auch an die Wachau oder die Mosel. Gemeinsam ist diesen Gebieten die Steilheit der Weingärten. Die Bewirtschaftung ist deshalb eine große Herausforderung. Die Weingärten im Sausal zählen zu den steilsten in der Steiermark. Aufgrund dieser topografischen Voraussetzungen hat sich eine weitere Besonderheit des Sausals entwickelt, nämlich die Terrassenweingärten, die anderswo in der Steiermark nicht zu sehen sind. Allerdings ist es auch den Terrassenanlagen zu verdanken, dass der Weinbau in diesen steilen Gebieten nicht aufgegeben wurde und wohl noch weiterhin gesichert bleibt. Es soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass auch Winzer in anderen steirischen Weinbaugebieten mit steilen Lagen zu kämpfen haben. Weingärten in der Ebene bilden in der Steiermark die Ausnahme.

 

Höchste Lagen

Abgesehen von den Schieferböden kann das Sausal auch auf die höchsten Lagen verweisen. Sie reichen bis knapp unter 700 Meter. Die höchste Erhebung ist der Demmerkogel (671 m). Kitzeck im südlichen Teil des Sausals liegt auf 564 Meter und ist damit der höchste Weinbauort Europas. Es ist also auch etwas kühler im Sausal. Das ergibt Vegetationsunterschiede von bis zu 14 Tagen gegenüber der restlichen Südsteiermark. Die Kühle macht sich auch in den Weinen bemerkbar. Es sind Weine, die etwas länger brauchen, um sich zu entfalten. Die Kargheit des Bodens ist ebenso erkennbar. Nimmt man Sauvignon Blanc als Beispiel, so ist die Säure bei den Weinen, welche vom Schieferboden stammen, höher, während die Weine vom Flamberg mit seinen Leithakalkböden etwas wärmer und weicher ausfallen. Auf Kalkboden entstandene Sauvignon Blancs zeigen üblicherweise weniger grasige und weniger Paprikaaromen, sondern tendieren zu Johannisbeeren, während der Schieferboden eher für Stachelbeeraromen verantwortlich ist. Und generell gilt, dass die Weine vom Schieferboden auch mehr Mineralität am Gaumen offenbaren und feingliedriger ausfallen. Etwas, was dem momentanen Zeitgeist durchaus entgegenkommt, aber immer schon anspruchsvolle Kenner begeisterte.

 

Riesling

Aufgrund der vorhandenen Schieferböden ist es nicht verwunderlich, dass hier eine Rebsorte eine lange Tradition hat, die sonst in der Steiermark kaum vertreten ist, nämlich Riesling. Doch trotz der perfekten Kombination mit dem Boden zählt Riesling im Sausal nicht zu den wichtigsten Sorten. Das sind Sauvignon Blanc, Welschriesling und Weißburgunder. Der ansonsten beliebte Muskateller ist im Sausal nicht so häufig vertreten. Dafür hat Grauburgunder hier ebenfalls eine lange Tradition. Die Sorte verträgt sich sowohl mit Schiefer- als auch mit Kalkböden. In den höheren Lagen und auf Schiefer entwickeln sich die Grauburgunderweine nicht so wuchtig wie auf den Kalkböden, sondern zeigen mehr Feingliedrigkeit. Wobei natürlich auch ein Zusammenhang mit der Zuckerreife besteht, denn die Gradation nimmt mit der Höhe ab. Allerdings darf man das nicht mit der physiologischen Reife verwechseln.

 

Buschenschänken

Die geografische Nähe zur Landeshauptstadt Graz ist verantwortlich dafür, dass das Sausal über eine große Dichte an Buschenschänken verfügt. Naturgemäß zieht es die Stadtbevölkerung an freien Tagen aufs Land. Wenn die Weinregion quasi vor der Haustüre liegt, dann wollen die Ausflügler die guten Tropfen auch genießen. Deshalb haben sich zahlreiche Weinbauern auf Besucher eingestellt und verwöhnen sie in ihren Buschenschänken mit kulinarischen Schmankerln und ihren eigenen Weinen. Die große Konkurrenz trägt dazu bei, dass das Angebot entsprechend gut ist.