Suedsteiermark_Weingaerten_blauer Himmel_Wolken | © Steiermark Tourismus, Herbert Raffalt

Weinbauregion Südsteiermark

Im Osten begrenzt durch die Mur, im Süden durch die Grenze zu Slowenien und im Norden und Westen durch die Weststeiermark, liegt das dreieckige Gebiet der Südsteiermark.


Das Herzstück

Erkundet man das Gebiet über eine der vielen Weinstraßen, so erblickt man eine hügelige Landschaft, die großteils mit Weingärten bedeckt ist. Das erklärt auch, warum die eigentlich kleinere Südsteiermark, bezogen auf die Rebfläche, sowohl die Weststeiermark als auch das Vulkanland überflügelt. Mit einer Rebfläche von 2.563 ha ist der Weinbau hier eine bestimmende Größe und nicht zu übersehen.
Die Sanftheit der Topografie täuscht darüber hinweg, dass hier Weine mit knackiger Frische entstehen, die weit über die Grenzen hinaus bekannt sind. Der meist faszinierende Panoramablick überstrahlt mitunter die großen Herausforderungen an die Winzer. Denn die Rebanlagen sind vielfach sehr steil und dann nur händisch zu bewirtschaften. Andererseits bieten sich hier beste Voraussetzungen für große Weißweine.

 

Aromatische Sorten

Sauvignon Blanc, jene Sorte, mit der die Steiermark international berühmt geworden ist, wird hier mit 21 % am häufigsten gepflegt. Erst dann folgen Welschriesling mit 16,5 %, Weißburgunder 12 %, Muskateller knapp 10 % und Morillon mit 8,4 %. Rote Sorten spielen in der Südsteiermark keine nennenswerte Rolle und beanspruchen insgesamt nur etwa 10 % der Rebfläche. Doch auch wenn der Fokus nicht auf den Roten liegt, so sorgen einige Winzer durchaus für trinkfreudige Überraschungen.

Die Reben stehen hier mitunter auf Opok-Böden, sie zählen zu den Besonderheiten der Steiermark. Es handelt sich grundsätzlich um Sedimentsgestein, in der Regel meint man in der Steiermark damit Mergelböden. Etwas vereinfacht gibt es im Süden daneben noch zwei weitere Bodenschwerpunkte, nämlich kalkfreie sandige Böden und Muschelkalkböden. Im nördlichen Teil, dem Sausal, überwiegen dagegen Schieferböden. Mit einer Niederschlagsmenge zwischen 1.000 und 1.200 mm pro Jahr ist Trockenheit in der Regel kein Thema. Trotzdem bleibt die Problematik, wann die Niederschläge fallen. Durch die unzähligen Hügel gibt es eine Menge von klein-klimatischen Unterschieden, da und dort durch Wälder verstärkt.

 

Frische bewahren

Sauvignon Blanc ist auf der ganzen Welt verbreitet, aber es gibt dennoch nur wenige Gebiete, die man mit guten Qualitäten in Verbindung bringt: das obere Loire-Tal mit Sancerre und Pouilly Fumé, Neuseeland, Südafrika, Südtirol und eben die Steiermark. Neben der Dichte ist es vor allem die Frische, mit der die Steiermark punkten kann und damit die Nase vorne hat. Deshalb haben die Winzer auch das Holzmanagement für ihre Topweine im Keller verändert. Setzte man im Jahr 2000 noch stark auf klassisches und vorwiegend neues Barrique (225 Liter), so kommen mittlerweile etwas größere Fässer zwischen 300 und 600 Liter und mit einem geringen Anteil von neuem Holz zum Einsatz. Kaum eine Sorte hat so viele Gesichter wie Sauvignon Blanc. Abhängig vom Reifegrad der Trauben und letztlich der Alkoholgradation ändert sich die Aromatik. Holunder, Brennnessel und Paprika sind die dominierenden Aromen eines besonders frischen und vergleichsweise früh gelesenen Sauvignons. Wobei diese Aromatik in der Steiermark nie so vordergründig auftritt wie etwa in Südafrika. Von Grapefruit und Maracuja geprägt sind Weine einer mittleren Gradation, Stachelbeeren und Johannisbeeren kennzeichnen eine höhere. Häufig trifft man bei hochwertigen Vertretern dieser Sorte auch auf kräuterartige Aromen. "Die sind aber auch abhängig von der Art der Verarbeitung. Der offene Ausbau in kleinen und mittleren Holzfässern begünstigt diese Aromatik. Überhaupt sind fruchtige Aromen wie Maracuja bis Stachelbeeren sehr oxidationsanfällig. Andererseits stellt sich die Frage, ob man so viel Frucht überhaupt haben muss. Jedenfalls kann man die Aromatik durch die Arbeit im Weingarten und im Keller stärker beeinflussen als bei anderen Sorten", beschreibt Ing. Reinhold Holler eine der Besonderheiten des Sauvignon Blanc. Holler unterrichtet an der traditionsreichen Weinbauschule Silberberg unter anderem Kellerwirtschaft. Das mit der Weinbauschule eng verbundene Landesweingut Silberberg bewirtschaftet rund 25 ha Rebfläche.

 

Unterschiede im Weingarten

Dadurch, dass Sauvignon Blanc auch eine sehr wuchskräftige Rebsorte ist, verlangt sie im Weingarten mehr Aufwand als etwa der in der Steiermark weit verbreitete Welschriesling. "Im Weingarten kann man fast stressfrei mit Welschriesling arbeiten", erzählt Holler. Zwar wird die Sorte auch anderswo gepflegt, in erster Linie verbindet man sie jedoch, trocken ausgebaut, mit der Steiermark. Welschriesling verkörpert den frisch-fruchtigen Typ, hauptsächlich von Apfelaromen und etwas Zitrus geprägt, zumindest was den klassischen Typ betrifft. Vor allem in der Gastronomie ist er sehr beliebt, weil er preislich interessant ist und sich daher für den glasweisen Ausschank besonders eignet. Welschriesling hat aber durchaus Potenzial zu mehr. Es gibt einige Betriebe, die sich auch diesem widmen. Experten sind jedenfalls überzeugt, dass das Potenzial dieser Sorte noch längst nicht ausgeschöpft ist. Das galt früher auch für den Gelben Muskateller. Die aromatische Sorte war jahrelang Favorit für frische Sommerweine oder begehrt als Aperitif. Diese Vorzüge sind natürlich geblieben, aber daneben haben die Winzer andere Seiten des Muskatellers entdeckt, die sich in hochwertigen Lagenweinen offenbaren. Neben den typischen Muskat- und Traubenaromen zeigen sich dann auch solche von getrockneten Früchten. Zudem haben diese Weine ein entsprechendes Alterungspotenzial. So unkompliziert sich viele Weine trinken lassen, was zur Beliebtheit der aromatischen Sorte beiträgt, so haben die Winzer doch ihre liebe Not mit Muskateller. Denn die Sorte ist empfindlich gegen Fäulnis und Pilzkrankheiten, außerdem bevorzugt sie warme Lagen. Dafür stellt sie an die Böden weniger Ansprüche.

 

Bodenvielfalt

Das ist bei den in der Steiermark sehr beliebten Burgundersorten völlig anders. Doch die zahlreichen Kalkböden bieten Chardonnay, Weißburgunder und Grauburgunder optimale Voraussetzungen. Der Chardonnay wird in der Steiermark, und nur hier, auch Morillon genannt. Im Ausland haben die Winzer deshalb einigen Erklärungsbedarf. Doch die Weine haben Überzeugungskraft. Zu den berühmtesten Lagen zählt Kranachberg. Hier finden wir vor allem kalkfreie Sandsteinböden. Die Weine zeigen eine saftige Säure, die Struktur ist etwas weicher, was vor allem gut zum Sauvignon Blanc passt. Kalksandstein prägt die Lage Zieregg, die am Fuße und an der Südwestseite an Slowenien grenzt. Auf dem kühleren östlichen Teil steht nur Sauvignon Blanc. Die Säure ist dadurch etwas prägnanter, was vor allem den hochgradigeren Weinen zugutekommt. Auf dem südwestlichen Teil sind die Böden etwas leichter. Kalkmergel reicht hier stellenweise bis an die Oberfläche. In diesem wärmeren Teil findet vor allem im oberen Bereich der Chardonnay beste Voraussetzungen. Im unteren Teil, wo der Boden wieder schwerer ist, steht vor allem Sauvignon Blanc.

Am Grassnitzberg dominieren Lehmböden. Die Weine sind etwas weicher als jene vom Hochgrassnitzberg und etwas milder. Aber sie sind besonders würzig und mitunter leicht salzig. Am Ratscher Nussberg findet man sowohl kalkfreie, lehmige Sande als auch Kalksandstein. Auf den lehmigen Sanden entwickelt sich vor allem der Muskateller sehr gut und zeigt eine besonders duftige, intensive florale Sortenaromatik, gepaart mit Frische und einer fein ziselierten Säure. Es gibt noch eine Reihe von besonders erwähnenswerten Lagen, darunter Pössnitzberg, Jägerberg, Sernau, Pfarrweingarten, Sulztal, Obegg, Welles und einige andere mehr. Neben allen Unterschieden, die durch die Bodenbeschaffenheiten, die Lage und das dortige Kleinklima bedingt sind, ist da noch immer die Handschrift der Winzer zu erkennen, die für spannende Abwechslung am Gaumen sorgt.

Großlage Eichberg

Im Süden durch die Pössnitz, im Norden durch die Sulm und im Westen durch die Saggau begrenzt, liegt Eichberg. Mit einer Rebfläche von rund 350 Hektar im wahrsten Sinne eine Großlage. 

Eichberg gehört zu Leutschach, der größten Weinbaugemeinde der Südsteiermark. Aber Eichberg ist anders. Die Weingärten liegen zwischen 450 und 620 m Seehöhe. Die Koralpe im Westen bietet zwar einen gewissen Schutz, sie sorgt aber auch für eine deutlichere Abkühlung. Dazu kommt, dass die Böden hier weitgehend kalkfrei oder zumindest kalkarm sind. Meist sind es sandige Böden, man trifft aber auch auf den bekannten Kreuzbergschotter und Konglomerat, nur eben ohne Kalk. Deshalb findet man hier keine opulenten Weine. Ganz im Gegenteil, sie sind feiner, nuancierter, fruchtbetont und haben ein gutes Reifepotenzial.

Die Niederschläge liegen zwischen 1.000 und 1.150 mm. Trotzdem zählt Muskateller hier zu den bevorzugten Sorten. Weil die Sorte, wie bereits erwähnt, sehr empfindlich gegen Fäulnis ist, steht sie meist in geschützten Lagen. Der andere Favorit am Eichberg ist Sauvignon Blanc. Filigraner, etwas schlanker, aber dafür facettenreich präsentieren sich die Weine aus dieser Lage.

Weingarten_Terrassenanlage_Kitzeck_Sausal_Suedsteiermark_Sonnenaufgang | © Steiermark Tourismus, Harry Schiffer

Das Sausal

Zwar gehört das Sausal zur Südsteiermark, aber die Schieferböden sorgen hier für völlig andere Verhältnisse und andere Weinstilistiken. Das Sausal hat zudem die höchstgelegenen Weingärten der Steiermark.