10.09.2020 Robert Hopfer

Sturm & Kastanien: Das kulinarische Traumpaar der Steiermark

Mit dem Herbst hält im Thermen- und Vulkanland Steiermark ein kulinarischer Genuss Einzug: Sturm und Kastanien. An allen Straßenecken werden die heißen Edelkastanien - auch Maroni genannt - angeboten. Sie sind der perfekte herbstliche Begleiter zu frischem Apfel- und Traubenwein und gesunder Genuss für alle Sinne.


Kastanien - Kraftbomben im Alltag

Schon gewusst, dass die kleinen Früchte der Edelkastanie nicht nur bei uns im Thermen- und Vulkanland Steiermark äußerst verbreitet und beliebt sind, sondern vom Mittelalter bis fast zum Ende des 19. Jahrhunderts in den bergigen Regionen Südeuropas die Hauptnahrungsquelle der Landbevölkerung darstellten? Brot der Armen, dass ich nicht lache, Haute Cuisine - trotz Ruß auf den Fingern und rund um den Mund!

Sie gehört somit zu den ältesten Früchten unserer Zivilisation. Das Wort "Kastanie" leitet sich übrigens vom lateinischen "castanea", vom althochdeutschen "chestina" und vom mittelhochdeutschen "chesten" ab. In der Steiermark hört man oft auch den Begriff "Kästn".

Da die Edelkastanie frostempfindlich ist, beschränkt sich ihre Ausbreitung nördlich der Alpen auf wintermilde Gebiete und deckt sich somit häufig mit Weinbaugebieten. Stichwort Sturm - aber später mehr dazu!

Ursprünglich stammt sie aus dem Gebiet des Schwarzen Meeres. Ihre Hauptanbauflächen sind die Türkei, Italien, Frankreich, Spanien, Portugal und Griechenland. Wildwachsende Kastanien sind in den wärmeren Regionen Europas jedoch überall zu finden. China gilt als weltweit größte Kastanienerzeuger, gefolgt von Südkorea, der Türkei und Italien.

Esskastanien haben sehr viele wertvolle Inhaltsstoffe: Sie enthalten hochwertiges Eiweiß, sind reich an Mineralstoffen und Spurenelementen und haben doch weniger Fett als Nüsse. Die komplexe Zusammensetzung der Kastanie sorgt dafür, dass eine einzige genussvolle Tüte (das berühmte Stanitzel) gleichzusetzen ist mit einer kompletten Mahlzeit. Schon die Heilkundlerin Hildegard von Bingen empfiehlt in ihrer "Physica" Rezepte mit Edelkastanien um damit Beschwerden wir Rheuma, Gicht, Husten, Durchfall oder Leberschäden zu behandeln.

Wie bereitet man Kastanien zu?

  • Backrohr: Kastanien über Kreuz einschneiden. Auf dem Backblech ausbreiten und bei 200° C ca. 30 Minuten braten. Zwischendurch wenden. Tipp: eine Schale Wasser hilft gegen das Austrocknen.
  • Feuer: Kastanien einschneiden und in eine Pfanne geben, über dem offenen Feuer immer wieder behutsam schütteln. In einen Topf geben, mit einem feuchten Tuch bedecken und ca. 5 Minuten rasten lassen.
  • Topf: Kastanien einschneiden, in einen Topf geben und mit Wasser bedecken. Circa 20 Minuten köcheln lassen. Tipp: Kastanien im heißen Wasser lassen. So geht die Schale leichter ab.
  • Gasbräter: Profis empfehlen wir die Verwendung eines echten gasbetriebenen Kastanienbräters, wie er in der kalten Jahreszeit an vielen Straßenecken der Steiermark zu finden ist. Auch hier müssen die Kastanien eingeschnitten werden. Der Vorteil: keine rußigen Finger!

Schon gewusst, dass …

  • Kastanien antiseptisch und antianämisch wirken, Magenbeschwerden lindern sowie Knochen, Zähne und Nerven stärken?
  • gutes Kauen vor Blähungen schützt, was für alle stärkehältigen Lebensmittel gilt?
  • die Namensbezeichnung sich regional unterscheidet. In der Pfalz zum Beispiel als Keschde und in Südtirol als Keschtn. Zum anderen sind sie als Maronen oder Maroni bekannt. In der Schweiz ist die Bezeichnung Marroni gängig; in Frankreich, vor allem im Périgord Noir, heißen sie châtaignes.

Herbstzeit ist Sturmzeit - aber was ist Sturm?

Sturm ist ein frisch gepresster Traubensaft, dessen Gärung erst begonnen hat. Dementsprechend ist der Sturm der erste Vorbote des neuen Jahrgangs, ist er doch meist schon ab Ende August, Anfang September bei den Winzern erhältlich. Es gibt ihn in Rot, Weiß, Uhudler und als Schilcher (aus der Blauen Wildbacher-Traube) und er gilt als eine steirische Spezialität. In Deutschland und der Schweiz ist der Sturm auch unter den Namen Federweißer, Suser oder Sauser, Rauscher, Bremser und vielen mehr bekannt. Schmeckt er auf der einen Seite noch wie süßer Traubensaft, macht sich auf der anderen Seite jedoch bereits den Alkohol bemerkbar.

Wie trinkt man Sturm und wie lange ist er haltbar?

Sturm trinkt man im Herbst - entweder pur oder auch mit Mineralwasser aufgespritzt. Und wie lange kann man Sturm trinken? Frisch gekaufter Sturm vom Winzer ist gut gekühlt ein paar Tage haltbar, bis fast der ganze Zucker zu Alkohol vergoren ist.

 

Warum darf man Sturm nicht umlegen?

Der Sturm verändert sich von Tag zu Tag im Geschmack, die Süße wird weniger und der Sturm entwickelt sich langsam zum Jungwein. Sturm wird immer nur leicht zugestöpselt, da der Gärungsprozess noch nicht abgeschlossen ist und das Gärgas die Flasche ansonsten sprengen würde - deshalb bitte auch nur im stehen lagern!

Also keine Zeit verlieren und im Thermen- und Vulkanland Steiermark Sturm und Kastanien genießen! Lasst euch diese besondere herbstliche Gaumenfreude nicht entgegen!

Ein Tipp dafür: Bis 1. November 2020 gibt's am Marktplatz St. Anna am Aigen wieder täglich ab 12.00 Uhr (nur bei Schönwetter) köstlichen Sturm und frisch gebratene Kastanien. Von dort geht's dann direkt auf eine Wanderung am Weinweg der Sinne, oder ab in die Gesamtsteirische Vinothek, die für Weinliebhaber über 200 edle Tropfen und regionale Spezialitäten zur Verkostung bereithält.

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