20.08.2020 Robert Hopfer

Apfel & Holunder: Medizin vor der Haustür

Früher, als es oft weit und breit keinen Doktor gab, haben sich die Leute selbst helfen müssen. Der Schwarze Holunder und der Apfel waren wie kleine Apotheken für sie.


Hausapotheke steirischer Holunder

"Bei uns hat es keinen Doktor gegeben, weil es hat ja niemand ein Geld gehabt."

So hört man oft, wenn alte Menschen von ihrer Kindheit erzählen. Vor allem auf dem Land gab es oft weit und breit keine ausgebildeten Fachkräfte, dafür in jedem Dorf zumindest einen Menschen, den man holen konnte, wenn beim Vieh oder den Kindern "was war". In den Bauernfamilien waren es fast immer die Frauen, die das Heilwissen von einer Generation zur nächsten weitergegeben haben. Der Schwarze Holunder, der so gern in der Nähe des Menschen wächst, diente ihnen wie eine kleine Hausapotheke. Obwohl die Wissenschaft fern war und niemand Genaues über die Inhaltsstoffe wusste, erkannte man sein heilendes Potenzial.

Bei erkältungsbedingtem Kopfweh hat man die frischen Blätter vom Schwarzen Holunder geklopft und ein bisschen gequetscht und dann mit einem Kopftuch auf den Kopf gebunden. Auch bei Fieber hat man die Blätter aufs Handgelenk gebunden. Der Schwarze Holunder hat die Menschen durch die Jahrhunderte und durch die Kulturen auf viele kluge, aber auch viele kuriose Ideen gebracht. Das Sambucus-Kopftuch sollte etwa auch vor Verwirrungen in der Pubertät und ein Holunderzweig vor den Verlockungen zum Ehebruch schützen …

Heute ist der Schwarze Holunder – "sambucus nigra" – bestens erforscht und die Erkenntnisse sind absolut erfreulich. "Holunder ist reich an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen und verfügt über einen hohen Gehalt an Aminosäuren. Er vereint insbesondere entzündungshemmende und antibakterielle Eigenschaften in sich", fasst der Stressforscher Sepp Porta das Wissen zusammen.

Noch häufiger als der Holunder kam in der Volksmedizin nur der Apfel zum Einsatz, vor allem in Form von Apfelessig (Apfelessig enthält alle Inhaltsstoffe, die auch den Apfel so auszeichnen – und das sind Vitamin A, B1, B2, B6, Folsäure, Vitamin C und E sowie die Mineralstoffe und Spurenelemente Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium, Phosphat, Eisen, Fluor, Jod und Zink, Kupfer und Selen).

Kein Wunder, dass ein altes Sprichwort besagt, ein Apfel am Tag halte den Doktor fern. Besonders das Immunsystem, die Haut und die Verdauung profitieren von ihm. Also bitte nicht auf das Wertvolle, Köstliche und Gesunde vor der Haustür vergessen …

TIPP: Kennen Sie schon Holler Vulkan? Das ist ein Holunder-Vitalgetränk, das von sieben engagierten Landwirten rund um St. Anna am Aigen hergestellt wird.

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